Vorwort,
Autoren
Strahlende Aussichten
Unsere Themenwahl fällt in eine Zeit, in der Atomkraft, über zwanzig Jahre nach dem ersten bekannt gewordenen Super-GAU, unter dem Aspekt des Klimaschutzes wieder verstärkt als umweltfreundliche, saubere Energiequelle propagiert wird. Deutschland plant den Ausstieg vom beschlossenen Atomausstieg, Italien will bereits abgeschaltete Kernkraftanlagen (KKA) wieder in Betrieb nehmen, Frankreich exportiert seine florierende Atomtechnologie, die skandinavischen Staaten bauen mehr denn je auf Kernkraft, die Staaten hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang betreiben ihre veralteten, schlecht geschützten KKA weiter. Die Thematik der endgültigen Entsorgung des radioaktiven Mülls ist nach wie vor ungelöst und wird nicht öffentlich diskutiert; Kritik an der Nuklearfission als Mittel zur Stromgewinnung wird als fatalistisch bezeichnet und Zwischenlager, über Europa verteilt, werden in der Öffentlichkeitsarbeit der Energieerzeuger einfach als Endlager bezeichnet, obwohl dies niemals den Tatsachen entspricht.
In unserer Arbeit wollen wir darauf eingehen, dass die Nutzung von Atomenergie eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellt und entwerfen daher Szenarien für Europa, die unter Voraussetzung der im Folgenden kurz beschriebenen Tatsachen recherchiert sind.
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Da Europa wieder verstärkt auf Atomkraft setzt, wird der Betrieb der KKA insgesamt aufrechterhalten. Die Menge an verbrauchten Brennstäben steigt daher weiter kontinuierlich. Diese müssen gekühlt, verpackt und schließlich zwischengelagert werden, bis Endlager, Stollen in geeigneten Gesteinszonen in bis zu 1000 m Tiefe errichtet sind. Dies ist frühestens um 2040 der Fall; mit starken Gegenbewegungen in den Gebieten der zu errichtenden Endlager wird gerechnet.
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Die Technik der Wiederaufbereitung ist ein für jeden verbrauchten Brennstab nur einmalig durchführbarer Prozess, der große Risiken der Kontamination beinhaltet und sehr energieaufwendig, also unwirtschaftlich ist. Ein Nebenprodukt der Wiederaufbereitung ist waffenfähiges Plutonium.
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Die Technologien der Zwischenlager unterscheiden sich grundsätzlich stark von einander; in den Ländern des ehemaligen Ostblocks wird schwach- und mittelradioaktiver Müll in Deponien ohne jede weitere Versiegelung fünf bis sechs Meter unter der Erdoberfläche vergraben. Dies ist für den Staat lukrativ, und beispielsweise in der Ukraine der Fall. Radioaktives Material kommt so in den Wasserkreislauf.
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Jedes Kernkraftwerk hat eine festgelegte Lebenszeit von durchschnittlich dreißig Jahren. Nach Ablauf dieser Zeit muss die gesamte Anlage abgebaut und dekontaminiert werden. Dabei fallen nicht unerhebliche Mengen schwach-, mittel- wie hochradioaktiven Mülls an. Allein in den nächsten zehn Jahren müssen weltweit etwa 200 KKA entsorgt werden.
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Radioaktivität schädigt nachgewiesenermaßen alle Lebewesen. Als einfacher Hinweis: 25% der Tiere in einem Umkreis von 50 km um die KKA Tschernobyl sind unfruchtbar. Die seit 1986 gestiegene Krebsrate wie auch die Rate chronisch kranker Menschen in den betroffenen Gebieten Europas und Asiens sei ebenfalls erwähnt.
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Gefahren, die durch die Nutzung von Atomkraft entstehen, sind nicht nur die direkte α / β / ɣ-Strahlung, sondern ebenso der Fall Out von instabilen radioaktiven Schwermetallen wie Cäsium, Strontium, Thallium, Plutonium. Diese sind nicht nur radioaktiv, sondern ebenso chemisch giftig. Fall Out als den Aschenregen nach der Detonation von Kernwaffen zu bezeichnen ist eine verkürzte Darstellungsweise. Durch jede Freisetzung radioaktiven Materials entsteht die Problematik der Verteilung durch natürliche Ursachen wie Regen und Wind.
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Es ist nicht unwahrscheinlich, dass nach Russland auch andere Atommächte aus dem internationalen Atomwaffensperrvertrag aussteigen; eine erneute Zunahme der Nuklearwaffentests wäre die logische Folge. Diese ziehen immer Konsequenzen für Mensch und Umwelt nach sich, eine wäre zum Beispiel die weitere Verstärkung der Hintergrundstrahlung.
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Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie eine großflächige radioaktive Kontamination vonstatten gehen könnte. Angefangen von Unfällen bei Transport, Wiederaufbereitung, Einsatz im KKW, Einlagerung oder bei Tests wie in Tschernobyl können schon Anschläge mittleren Ausmaßes oder einfache Undichtheiten an Lagerstätten zu unaufhaltsamer Schädigung eines gesamten Kontinentes, dessen Lebensmittelversorgung, letztendlich zur Vernichtung dessen gesamter Ökonomie führen.
- Kein KKW weltweit ist unfallversichert, da die Schadenssumme selbst für mittlere Vorfälle von keiner Versicherung getragen werden könnte. Die Last für Dekontamination, medizinische Betreuung, Katastrophenunterstützung tragen die einzelnen Staaten.
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